Am Schminktisch

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Wer kennt das nicht, da kommt man von einer Feier und das wirklich interessante passierte nicht im „offiziellen“ Teil, sondern quasi nebenbei, also in der „Küche“ und nicht im „Festsaal“. So war es auch bei der Hochzeit von Lekuren. Hier hatten wir die Gelegenheit, die jungen Krieger (Moran) am Schminktisch zu beobachten und sie wollen unbedingt Fotos von uns machen und auch uns schminken. Hier das Ergebnis:

Nun könnte man einwenden, dass wir uns ja so verhalten, wie die japanischen Touristen auf dem Oktoberfest, die in Dirndel und Lederhosen den „echten“ Bayern Konkurenz machen. Bei den Ethnologen gibt es dafür den Begriff „going native“. Distanzlosigkeit, zu starke Identifikation und Kritiklosigkeit ist damit gemeint. Und ja, natürlich besteht die Gefahr.

Gleichzeitig ist auch klar, dass wir bei unseren zahlreichen Besuchen selbstverständlich eine Beziehung zu den Protagonisten aufgebaut haben. Unsere Bilder sind also immer auch Ausdruck unseres Verhältnisses zu den Protagonisten. Das hat eine Schule von Dokumentarfilmern/Ethnologen dazu bewogen, auch sich selbst, den Filmemacher, ins Bild zu bringen, um die reale Situation zu präsentieren (s.a. selfreflecting anthropology). Demgegenüber versuchen andere Filmer sich durch lange Anwesenheit quasi „unsichtbar“ zu machen, um eine Realität unabhängig von der Kamera zu zeigen.

Da es in solchen Fragen weder eine richtige Position noch die Wahrheit gibt, sind in unseren Augen beide Formen angemessen. Was wir aber auf keinen Fall schätzen, sind diese „gottgleichen“ Kommentare aus dem Off. Da ist uns die Neugierde und der Spaß mit dem uns die Moran begegnen viel wichtiger.

620SchminkenUli Schwarz und Petra Dilthey